Das Schöne daran ist ein diffuses Dazwischen

Sein halbes Leben lang schon hat es René Wentzel mit Worten. Als Werbetexter und Storyteller zeigt er jedoch nicht nur sein Gespür fürs Geschreibe, sondern auch Motivische. Es sind die Brüche im Schönen, die ihn reizen. Irritationen und Deformationen, die an gesellschaftsnormierten Gefühlen von Anmut und Ästhetik knabbern. In seinen Fotografien nehmen häufig zuvor beziehungslose Objekte und Details eine neue, scheinbar in sich geschlossene gemeinsame Identität an, während sie anderweitig im Status nebulöser Interaktion verbleiben. Deutungsräume entstehen, in denen Gewissheiten ebenso schwer auszumachen sind wie Emotionen final erklärbar sein können. 

Es ist das Diffuse, das keine Geschichte fertigerzählt. Die Chimäre, die kompositorisch auch etwas Humorvolles in sich tragen kann. Und es ist das Menschenverbundene, das René Wentzel seiner weiteren Natur folgen lässt: Charaktere und Momente authentisch einzufangen, um sie als redaktionelle wie fotografische Reportagen zu verwirklichen. Etwa seine Story über die Transhumanz, den legendären Schafübertrieb von und nach Südtirol. Oder sein Langzeitprojekt Selig sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer mehr: ein Porträt über einen früheren Moslem und heutigen AfD-Wähler, der mit seiner provokanten bis uferlos irrwitzigen, digitalen Presseschau beängstigend komisch ist.

René Wentzels Arbeiten sind nicht Schubladen-affin, zwei Pole aber treten hervor: hier eine Art Fusionsfotografie der schönen Brüche. Dort eine Ereignisfotografie nah am Menschen. Dazwischen ist für René Wentzel vieles möglich. Und deutbar. Schön so!